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INFO

  a) MDF, Spanplatten, OSB
  b) Multiplexplatten (Sperrholz), Tischlerplatten, 3-Schichtplatten

Bei den unter a) aufgeführten Platten handelt es sich um kleingeschreddertes Restholz mit unterschiedlicher Feinheit (MDF = staubfein → OSB = sehr grobe Späne), das mit einem Klebstoff zu einer Platte gepresst und "verbacken" wird.

Bei den unter b) aufgeführten Platten handelt es sich um kreuzweise übereinander verleimte Furnierschichten (Tischlerplatten bestehen aus einer dickeren Mittellage, in der Regel aus minderwertigem Fichtenholz, dem beidseitig zwei kreuzweise übereinander liegende Furnierschichten aufgeleimt werden) Beiden Plattentypen ist gemeinsam, dass nur die äußere Furnierlage aus einem sehr dünnen, je nach Plattenqualität, mehr oder weniger hochwertigem Holzfurnier besteht. Positive Ausnahme in dieser Gruppe stellt die 3–Schichtplatte dar, deren Schichten zwar auch kreuzweise verleimt sind, was man absperren nennt (daher auch der Begriff Sperrholz), um die Holzlagen am Arbeiten zu hindern, jedoch bestehen hier die einzelnen Lagen nicht aus dünnen Furnierschichten, sondern aus ca. 5 – 6 mm starken Massivholzschichten. Diese Platten gibt es fast nur noch in Nadelholzausführungen, da sich die sehr teuren Laubholzvarianten nicht auf dem Markt durchsetzen konnten.

Massivholz kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. Dabei verändert es allerdings seine Maße, das heißt es schwindet beim Trocknen und es quillt auf bei der Aufnahme von Feuchtigkeit. Diesen ständig wechselnden Prozess, dem Holz auch noch nach Jahrhunderten unterliegt bezeichnet man als "arbeiten". Im Laufe der Jahrhunderte haben die holzverarbeitenden Handwerker Holzverbindungen und –konstruktionen entwickelt, die dieses "Arbeiten" berücksichtigen.
Mit dem Aufkommen der Plattenwerkstoffe im 20. Jahrhundert bot sich den Möbelbauern eine gestalterische Freiheit, die in der Massivholzbauweise so nicht möglich war. Der Preis dafür war jedoch der massive Einsatz von Chemie und der Verlust vieler positiver Eigenschaften des Massivholzes. So sind entgegen der landläufigen Meinung diese Plattenwerkstoffe schwerer als fast alle Massivholzarten. Die einzige Ausnahme hierbei bildet die Tischlerplatte und die 3-Schichtplatte. Auch was die Stabilität und Belastbarkeit betrifft, ist Massivholz weit überlegen. Einzig Multiplexplatten können hier mithalten und mit Einschränkungen Tischlerplatten und 3-Schichtplatten.
Nachteil fast aller Plattenwerkstoffe ist die Empfindlichkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung. Die so genannte Decklage der Platten besteht entweder aus einer sehr dünnen Furnierlage (0,7mm bis 1,5mm), oder einer Kunststoff- oder Lackbeschichtung. Kratzer oder Stöße durch scharfkantige oder spitze Gegenstände durchdringen diese Decklage leicht und können dann auch durch Anschleifen der Oberfläche nicht mehr beseitigt werden. Auch hier bildet die 3-Schichtplatte aufgrund ihrer relativ dicken Lagen eine positive Ausnahme.
Zum Thema Chemie in den Plattenwerkstoffen sei folgendes gesagt:
Der Gesetzgeber hat schon vor Jahren festgelegt, dass Plattenwerkstoffe, die in Innenräumen eingesetzt werden, der Emissionsklasse E 1 angehören müssen. D.h. sie dürfen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes unter festgelegten Laborbedingungen nicht mehr als 0,1 ppm (parts per million) Formaldehyd an die Raumluft abgeben. Baubiologen fordern schon lange einen niedrigeren Grenzwert von 0,05 ppm, da empfindliche Menschen schon bei 0,1 ppm über Kopfschmerzen und Übelkeit klagen. Verschiedene Tests von "Öko Test" haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Hersteller zum Teil noch nicht einmal den gesetzlichen Grenzwert einhalten. Darüber hinaus bemängelt "Öko Test" die Messmethoden, die ziemlich praxisfremd sind und beschönigende Ergebnisse zur Folge haben.
Als Reaktion auf die Formaldehyddiskussion, hat die Industrie Polyurethangebundene (PUR) Platten auf den Markt gebracht. Die hierbei benötigten Härter gelten in ihrer unverarbeiteten Form jedoch allesamt als stark krebserregend. Da sie in der fertigen Platte chemisch gebunden sind gelten sie für den Verbraucher als unbedenklich. Nach ihrer Nutzung stellen diese Platten jedoch als Sondermüll eine Belastung für unsere Umwelt dar. Durch Ihre Einstufung in die Emissionsklasse E 0 wird eine Umweltfreundlichkeit vorgegaukelt, die nicht gerechtfertigt ist.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass auch natürlich gewachsenes unverleimtes Holz geringe Mengen Formaldehyd enthält. Ebenso enthalten die gebräuchlichen Leime Formaldehyd. Formaldehydfreie Kaurit-, Kasein- oder Knochenleime spielen heutzutage im Tischlerhandwerk eine sehr untergeordnete Rolle teils wegen ihrer schlechteren physikalischen Eigenschaften, teils wegen ihrer sehr umständlichen Handhabung.
Zusammenfassend lässt sich sagen,dass ich Massivholz als Material generell den Vorzug gebe. Aus Kostengründen setze ich allerdings bei Küchen und Schränken für Korpusteile, die von außen nicht sichtbar sind, Tischlerplatten oder 3-Schichtplatten ein. Multiplex setze ich für Möbel ein, bei denen es auf freie Formen unter Beibehaltung der Holzoptik ankommt, oder ganz einfach als preiswerte Alternative zu Massivholz. MDF, Spanplatten und OSB-Platten lehne ich im Möbelbau aufgrund ihrer schlechteren physikalischen Eigenschaften und ihrer meist wesentlich schlechteren ökologischen Eigenschaften ab. Lediglich im Innenausbau halte ich die OSB-Platte auch ökologisch (aufgrund ihres relativ geringen Klebstoffanteils) für eine sinnvolle Alternative.

 
     

 

   © 2003 by Erich Hildebrand