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THEORIE

Das Sein bestimmt das Design

Möbeldesign muss sich in Form, Material und Oberflächenbehandlung an den Bedürfnissen des Menschen orientieren, für den die Möbel gedacht sind. Oft genug ist bei modernem Möbeldesign zu beobachten, dass die Designer mehr Augenmerk auf die künstlerische Gestaltung und Formensprache legen, als auf die Bedürfnisse und die Ergonomie des menschlichen Körpers. Am deutlichsten zeigt sich dies meist bei Stühlen, wenn Designer, im Bemühen neue Formen zu kreieren, Stühle entwerfen, die zwar lustig oder schrill aussehen, auf denen aber länger als eine halbe Stunde zu sitzen zur Tortur wird. Daher steht für mich der praktische Nutzwert eines Möbels bei der Planung und beim Entwurf an oberster Stelle, auch wenn dies oft bedeutet auf traditionelle Formen und Konstruktionen zurückzugreifen. Will man das seit Jahrhunderten verwendete und bewährte Material Holz im Möbelbau einsetzen, so ist man gezwungen den Eigenschaften des natürlichen Materials, bei der Konstruktion und Verarbeitung Rechnung zu tragen und die im Laufe der Jahrhunderte gesammelten Erfahrungen und Problemlösungen zu berücksichtigen. Sie zu ignorieren rächt sich meist bitter. Dies führt zu einem weiteren Themenkomplex, der mir eine Herzensangelegenheit bei der Herstellung von Möbeln ist.

Material und Oberflächenbehandlung

Im modernen Möbelbau und vor allem in der Möbelindustrie haben sich die so genannten Plattenwerkstoffe gegenüber dem Massivholz durchgesetzt. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass diese Werkstoffe im Gegensatz zu Massivholz nicht mehr "arbeiten" und daher, aufgrund ihrer standardisierten Eigenschaften, kostensenkend in der Massenproduktion eingesetzt werden können. Zur Anwendung kommen dabei abgesehen von reinen Kunststoffplatten, MDF, Spanplatten, OSB, Multiplexplatten (Sperrholz), Tischlerplatten und 3-Schichtplatten.

Weitere Infos (z.B. Vor- und Nachteile der verschiedenen Werkstoffe) HIER

Ähnlich wie ich bei der Wahl der Materialien zu möglichst naturbelassenen Werkstoffen mit einem möglichst geringen industriellen Vorfertigungsgrad tendiere, bevorzuge ich bei der Oberflächenbehandlung von Möbeln möglichst naturbelassene Oberflächen, d.h. offenporige Oberflächen, welche die Aufnahme- und Abgabefähigkeit von Feuchtigkeit nicht unterbinden.
Am besten hat sich hierbei Leinölfirnis oder Hartöl bewährt. Wachs verleiht dem Holz eine etwas stärker glänzende Oberfläche, ist aber sehr empfindlich gegenüber Wasser und somit bei stärker beanspruchten Flächen nicht empfehlenswert. Öl hat den Vorteil, das Holz vor Verschmutzung zu schützen, gleichzeitig aber die Atmungsfähigkeit des Holzes zu bewahren. Das Holz kann also nach wie vor Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. Diese feuchteregulierende Eigenschaft trägt entscheidend zur Verbesserung des Wohnraumklimas bei.
Lacke versiegeln das Holz. Feuchtigkeit kann nicht mehr aufgenommen werden und verbliebene Restfeuchte im Holz kann nicht mehr abgegeben werden. Trotzdem arbeitet das Holz weiter insbesondere durch Temperaturschwankungen aber auch dadurch, dass auch Lacke nicht vollkommen diffusionsdicht sind. Dieser Umstand, sowie mechanische Beanspruchung können mit der Zeit zu Rissen im Lack führen. Dringt durch solche Risse Feuchtigkeit, so führt das zu dunklen Verfärbungen des Holzes und zu Ablösungen des Lackes.
Öle hingegen gehen eine feste Verbindung mit dem Holz ein, die außer auf mechanische Weise durch Abschleifen, kaum noch zu lösen ist. Sie können somit mit jedem handelsüblichen Reinigungsmittel gesäubert werden. Verfärbungen durch Rotwein oder Obstsaft verschwinden aufgrund der im Holz vorhandenen Gerbsäure, nach einigen Tagen von ganz allein.
Ein weiterer Vorteil von geölten Oberflächen ist, dass sie sich im Gegensatz zu lackierten Oberflächen nicht statisch aufladen.

 
     

 

   © 2003 by Erich Hildebrand